Donnerstag, 1. April 2010

Frohe Ostern - Glad Påsk!

...das wünsche ich euch allen! Hoffentlich meint es der Osterhase gut mit euch und kippt seinen randvoll gefüllten Korb großzügig über euren Gärten oder - wohl je nach Wetter - in Küche, Wohnzimmer und im Schuhschrank aus.
Den Osterhasen (påskhare) kennen die Schweden zwar auch, allerdings ist er nicht so populär wie in Deutschland. Eiersuchen finden teilweise statt, meist aber als "äggjakt" betitelt und schnitzeljagdmäßig aufgezogen, d.h. mit kleinen Hinweiszetteln, die dann zu einem großen Osternest gefüllt mit Süßigkeiten führen. So richtig tolle Schokoladeneier in großer Auswahl gibt es hier nicht (bis auf die Lindt-Sachen, die es in den Supermärkten gibt), denn Ostersüßigkeiten sind hier vor allem so knallbunte Gelee-Eier, von denen man Zahnschmerzen kriegt. :-) Mich Schokomäulchen lassen die Dinger ziemlich kalt.
Toll ist hingegen die schwedische Osterküche, die hier an der Westküste stark von Lax und Sill dominiert wird. Habe mir unserer Hauswirtschaftslehrerin an der Schule viele Rezepte kopiert, von denen ich hoffentlich viele auszuprobieren schaffe.
Die Osterfeiertage heißen hier skärtorsdag (Gründonnerstag), långfredag (Karfreitag), påskafton (Ostersamstag), påskdag (Ostersonntag) sowie annandag påsk (Ostermontag). Eine schöne Tradition zu Ostern ist, dass die Kinder sich als "påskkäringar"verkleiden und von Haus ziehen, um Süßigkeiten einzusammeln. Selma und Tilda waren gerade bei mir und haben mir noch ein paar Osterzeichnungen geschenkt.

Selbst werde ich Ostern zusammen mit Karsten hier in Halmstad verbringen. Nächste Woche fahren wir dann für 5 Tage an die großen Seen Vänern und Vättern, es wird eine Rundtour mit viel Natur, kleinen und größeren Städten, Inseln, historischen Stätten und einer Bonbonfabrik (polkagrisar) in Gränna.

Ha en trevlig påsk!

Freitag, 19. März 2010

Freitagsfreude

Von unserer "fredagskaka"-Tradition hatte ich euch ja schon mal erzählt. Da gibt's immer feine Leckereien zum Einstieg in das Wochenende. Aber heute wurde alles bisherige meilenweit getoppt und ich musste mich erstmal kneifen, als ich die Pracht im Lehrerzimmer heute Morgen erblickte...

Heute hat Richard, ein jetzt fertiger Referendar, seinen letzten Tag an der Trönningeskolan. Anlässlich dessen hatte er diese unglaublichen Torten als Dankeschön für die Zeit gebacken. Sowas habe ich bisher nur in ganz teuren Cafés im Schaufenster oder im Fernsehen bei königlichen Festlichkeiten gesehen.
Es war irre witzig, wie alle um die Torten herum schlawenzelten und niemand sich traute, die anzuschneiden. Als ich Richard meinen Respekt und Bewunderung f¨r sein Werk aussprach, stellte sich heraus, dass er ausgebildeter Konditor ist!
Mein Fazit aus diesem Freitag: Ich liebe ausgebildete Konditoren als Kollegen. Davon sollte man immer einen haben. Mindestens.

Samstag, 6. März 2010

Von "backspike", "hoppserve" und blau-gelben Mikasa-Geschossen

Meine allerliebsten Leser, wie schon vor einigen Wochen mal angekündigt komme ich nun endlich mal dazu, wirklich was über meine Volleyball-Mannschaft hier in Halmstad zu schreiben.
Das sind wir, die 2. Damen des IF Halmstad Volley:
Dieses Foto entstand vor ein paar Monaten nach einem Heimspiel, als ich Altländer Apfelkuchen gebacken hatte, den wir nach dem Spiel verzehrt haben und alle total wild auf diesen Kuchen waren. Ist hier nicht so verbreitet, wie ich es aus meinen Mannschaften in Deutschland kenne, das gemeinsame Kuchenessen bei Heimspielen. Aber ich hab's ihnen jetzt beigebracht! :-)

Aber nun mal von Anfang an. Wie bin ich zu dieser Mannschaft gekommen? Nach einigen Wochen in Halmstad habe ich mal in den Sportergebnissen der Zeitung geschaut und gesehen, dass Halmstad Volleyballmannschaften hat. Habe dann im Internet einen Ansprechpartner gefunden und ihn per Mail gefragt, ob ich mal zum Probetraining kommen könnte. Zur gleichen Zeit kam ich beim Mittagessen in der Schule mit einem Kollegen ins Gespräch über meine Hobbies. Als ich Volleyball nannte erzählte er, dass seine Tochter in Halmstad spiele und ob er sie mal fragen soll, ob ich da mittrainieren könnte. Klar doch! Das hab ich dann auch gemacht und war erst etwas zweifelnd, ob ich nicht viel zu schlecht für die Mädels sei, nachdem er mir erzählt hat, an was für krassen Turnieren die schon teilgenommen haben. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Claes, der Trainer, war heilfroh, als er hörte, dass ich Schwedisch kann, denn er hatte große Angst davor gehabt, das Training fortan auf Englisch halten zu müssen.
Ich wurde sehr nett aufgenommen und gleich engagiert. Die Mädels sind fast alle jünger als ich (16-19 sind die meisten), sodass ich mich wirklich wie die Mannschaftsoma fühle - mit 22. Bisher war das in meinen Mannschaften immer umgekehrt, ich war das Küken, deshalb finde ich den Zustand immer noch ungewohnt. Und da sie alle noch zur Schule gehen liegen auch irgendwie Welten zwischen uns, auch wenn der Altersunterschied mit im Schnitt 4 Jahren ja gar nicht so riesig ist. Sie finden's aber alle total spannend mit einer Deutschen im Team und alle versuchen sich beim Training fleißig an deutschen Ausrufen, wobei meist zumindest für mich sehr lustige Dinge zustande kommen. Sie beherrschen jetzt Redewendungen wie "Morgenstund hat Gold im Mund" oder "Der frühe Vogel fängt den Wurm" und wenn wir nach einem Ball zusammengehen, dann wird "Reiswaffel" gerufen. Warum eigentlich gerade "Reiswaffel" und nicht "Weißwurst" oder sowas ist unklar... Beim letzten Spiel hörte ich auf jeden Fall von der Bank einen "Reiswaffel"-Chor, als ich Aufschlag hatte.
Eigentlich hatte ich nicht geplant, auch an den Spielen teilzunehmen, aber als dann klar war, dass ich ein ganzes Jahr bleibe und mich alle ständig fragten, ob ich nicht doch will, hab ich irgendwann ja gesagt und meine schwedische Spiellizenz bekommen. Von dem Zeitpunkt habe ich viele Wochenendtage in Sporthallen verbracht und auf diese Weise Schweden nochmal von der sportkulturellen Seite her besser kennengelernt. Insgesamt bereue ich die Entscheidung keinesfalls, denn wir hatten tolle Spiele, lustige Fahrten, interessante Schiedsrichter und ich habe viel dazugelernt. Wir spielen in der "division 2", das ist quasi die 3. Liga Schwedens. Darüber kommt noch die "diversion 1" und die "elitserie" (entspricht der 1. Bundedliga in D). Das Niveau entspricht aber ungefähr Niedersachsens Bezirks- bis Landesliga, ist aber sehr gemischt. Die Mannschaften im Tabellenkeller können nicht viel, die an der Spitze sind supergut und schlagen fast Löcher in den Hallenboden. Wir haben die Saison jetzt auf dem 3. Tabellenplatz abgeschlossen, was super ist!
Etwas ungewohnt für mich war, dass man hier nie ein Spiel selbst pfeifen muss, sondern dass immer zwei Schiedsrichter angefahren kommen, die dann in ihren modisch fragwürdigen, aber hochoffiziellen Schiedsrichterklamotten das Spiel pfeifen. Nach dem Spiel schüttelt jede Spielerin beiden Schiedsrichtern die Hand und man bedankt sich und sie gratulieren einem oder sagen zumindest "bra spelat" (gut gespielt). Hui, da kommt man sich schon ein bisschen vor wie im Fernsehen!
Ihr fragt euch vielleicht, wie ich denn sprachlich so klargekommen bin. Volleyball-Schwedisch ist ja gewissenermaßen eine Fachsprache, aber ich habe schnell einen Durchblick bekommen und verstehe mittlerweile auch sämtliche Anweisungen, selbst wenn ich nebenbei mit der vollen Dröhnung Roxette beim Aufwärmen beschallt werde und dazu noch "Slang" verwendet wird. Für mich ist es nur generell oft schwierig, diese Umgangssprache von der "Hochsprache" zu unterscheiden, sodass ich mit neuen Wörtern immer erstmal vorsichtig sein muss, wenn der Verwendungsrahmen noch nicht ganz klar für mich ist. :-)
Einige von euch amüsieren sich ja gern über die schwedische Sprache, deshalb gibt's hier mal eine kleine Zusammenstellung wichtiger Volleyball-Vokabeln:

bolla - einspielen (mit dem Ball)
fingerslag - pritschen

baggerslag - baggern

anfalla/smasha - angreifen

backspike - Rückraumangriff

serve - Aufschlag

floatis - Flatteraufschlag

hoppserve - Sprungaufschlag

blocka (oder: blockera) - blocken

mottagning - Annahme

försvar - Abwehr

domare - Schiedsrichter

match - Spiel

Vor ein paar Wochen hatten wir "lagfest" (lag = Mannschaft). Ich hatte die schlimmsten Erwartungen, da ich damit gerechnet hatte, dass das in dem Alter vor allem sinnloses Betrinken bedeuten würde. Aber: Wir haben ganz gemütlich bei Katha zu Hause Pizza gegessen, gequatscht und sowas wie "Tabu" auf Schwedisch gespielt. Das war natürlich eine sprachliche Herausforderung für mich, aber es klappte ganz gut.
Jetzt ist die Saison vorüber, aber für die ganzen jungen Hüpfer stehen noch zahlreiche Jugendauswahlturniere auf dem Programm. Wir trainieren also noch bis Mai zwei Mal wöchentlich weiter in der Halle (die übrigens praktischerweise ungefär 2 Gehminuten von meiner Haustür entfernt liegt) und dann gibt's hoffentlich viel Beachvolleyball. Ich spekuliere ja auf Tylösand, aber da ist's bestimmt gnadenlos überlaufen ab Mai/Juni. Hier in der Stadt gibt's aber auch ein paar Felder.

So viel zum Thema "Merles Internationalisierung in puncto Volleyball". Ich hoffe, dass euch mein kleiner Einblick Spaß gemacht hat!

Sonntag, 28. Februar 2010

Sportferien vorbei - auf zu neuen Taten!

Soeben bin ich per Zug wieder in Halmstad eingefahren, nachdem ich die vergangene "Sportferien"-Woche in Deutschland, zum Teil in Flensburg, zum Teil im Alten Land verbracht habe. Durch viele technische Probleme war die Fahrt heute etwas anstrengend, da alles in die Länge gezogen wurde. Insgesamt war ich von Haustür zu Haustür fast 12 Stunden unterwegs - man kann das aber auch in weniger schaffen. Aber schön ist immer zwischendurch der Fahrtabschnitt auf der Fähre Puttgarden-Rodby, auf die der Zug mit den Autos zusammen drauf fährt, dann alle Passagiere aussteigen müssen, der Zug abgeschlossen wird und man sich an Deck vergnügen kann. Dänen und Schweden stürmen den Duty Free-Shop, den ich immer noch für ziemlich teuer halte, in den Restaurants bilden sich Schlangen, Bierdosen zischen... heute habe ich mich mal 10 Minuten auf's Deck gewagt, da die Temperaturen das ja endlich wieder zulassen und den Rest der Zeit drinnen verbracht, was im Gegensatz zur Hinfahrt am letzten Wochenende total ruhig war. Da platzte nämlich die Fähre fast vor Schweden, die offenbar in den Skiurlaub nach Deutschland unterwegs waren und sich einige Gläschen an Bord gönnten.

In Halmstad liegt lange nicht mehr so viel Schnee wie vor einer Woche. Zur Erinnerung: Da sah es so aus:
Aber im Gegensatz zu Norddeutschland liegt hier noch viel. Allerdings sind die Wege relativ frei und es schmilzt auch hier ordentlich. Die Matsche ist zwar unschön, aber ich find's gut, dass die weiße Pracht sich nun mal verzieht und dem Frühling Platz macht.

Auf der Zugfahrt habe ich mich übrigens wie eine richtige Lehrerin gefühlt, als ich einen Satz Deutsch-Arbeiten meiner 6er korrigiert habe. :-) Da ich die Arbeit auch ganz allein entworfen habe, wollte ich mir die Korrektur nicht nehmen lassen, obwohl Sam eigentlich nicht wollte, dass ich Arbeit mit in die Ferien nehme. Aber man sollte sich ja lieber nicht an völlig arbeitsfreie Ferien gewöhnen. Und außerdem wollte ich ja auch sehen, was sie so gezeigt haben. Ganz Schweden-like habe ich auch den Rotstift in der Tasche gelassen und stattdessen die blaue Tinte gewählt sowie mich bei den Kommentaren ganz doll angestrengt, immer erst was Positives zu schreiben und die Kritik etwas weicher zu verpacken.
Noten gibt's übrigens in der Klassenstufe noch nicht, sondern erst ab Klasse 8. Und dann gibt es keine Ziffern oder Punkte, sondern die Stufen "G"="Godkänd" (ausreichend/befriedigend), "VG"= "Väl Godkänd" (gut) und "MVG"="Mycket Väl Godkänd".
Auch zu dieser Tatsache kann man wieder geteilter Meinung sein. Ich finde, dass Noten in der 8.Klasse zu spät sind und die Schüler eher damit konfrontiert werden sollten. Aber andererseits sind Noten hier selten ein Druckmittel und die Schüler sollen lernen, dass sie nicht für Noten lernen, sondern für sich selbst. Hier würde ich wieder ein bisschen Deutschland und ein bisschen Schweden vermischen wollen - aber das würde wohl kaum funktionieren, da in Deutschland Schulnoten eben einen so hohen Stellenwert haben und die Kinder darauf schon früh gemünzt werden.

Meine Zeit in Deutschland habe ich genossen. Am letzten Samstag bin ich mit Eltern&Schwester nach Flensburg gefahren, wo wir Karstens Wohnung angeschaut haben und anschließend noch die schöne Stadt. Karsten hatte zuvor ein süßes Café entdeckt, das voller verschiedener Porzellan-Kaffeekannen hängt und eine große Auswahl selbstgebackener Torten anbietet. Mit dem Kaffeetrinken dort hat er meiner Mama eine große Freude bereitet! :-)
In den folgenden Tagen haben wir zum einen fleißig die Wohnung hübscher und fertiger gemacht (Möbel, Lampen, Regale etc. kaufen und anbauen), zum anderen versucht, daneben noch ein bisschen Zeit zu finden, in der wir nicht mit Bohrmaschine, Staubsauger und Schutzbrillen ausgestattet waren. Das war schwer, aber ein paar Stunden sind's doch geworden. Zum Beispiel ein Spaziergang zu einem Fischrestaurant im Hafen, wo wir dann leckeren Fisch verspeisten und ich zum Küstennebel-Fan wurde, ein Tag in Kiel (Uni&Ikea) und ein Fußballabend in einer Sportsbar - ich als eine von drei anwesenden Frauen.
Dieses Wochenende war ich dann wieder im Alten Land, um mich noch mit so wundervollen Dingen wie Steuererklärung, Bank- und Versicherungsschriftverkehr zu beschäftigen, aber vor allem um den Geburtstag meines Papas mitzufeiern.

Noch bin ich gedanklich viel zu sehr in Deutschland, aber das wird sich morgen wohl schlagartig ändern, wenn ich in den schwedischen Alltag zurückkehre und vor allem ganz viel Schwedisch spreche. Übrigens habe ich ja vor einigen Wochen etwas Käpt'n Blaubär-mäßig endlich eine Personennummer bekommen und bin jetzt fast eine richtige Schwedin. Denn hat man diese vier letzten Ziffern (eine Personennummer ist aufgebaut aus Geburtsjahr, -monat, -tag plus 4 Ziffern), dann kann man hier alles machen und bekommen. Etwas verspätet bin ich dann in einen Schwedisch-Kurs bei der Erwachsenenbildung in Halmstad eingesteigen, nachdem die sich ja trotz erfolgreichen Einstufungstests seit Herbst weigerten, mich ohne die Nummer in einen Kurs aufzunehmen. Leider sind die 2x2 Unterrichtsstunden pro Woche so dämlich gelegt (vormittags und nachmittags), dass ich einige Klassen ganz aufgeben müsste. Da ich das nicht will, habe ich mich mit dem Lehrer darauf geeinigt, dass ich einmal pro Woche komme und viel zu Hause arbeite und ihm Texte zumaile. Auch wenn der Lehrer ein ganz komischer Kauz ist (Philosoph und Lebenskünstler, der sich gern selbst reden hört und die Zerstreuung in Person darstellt), so genieße ich es, mal wieder selbst Unterricht zu haben und mich zu Hause hinsetzen zu müssen, um Text durchzuarbeiten und Aufgaben zu erledigen. Für mein Schriftschwedisch bringt das auf jeden Fall viel. Bin aber auch noch nicht lang dabei, von daher kann ich noch nicht allzu viel sagen.

Macht's gut, liebe Leser! Ich verspreche, bald wieder neuen Lesestoff zu produzieren - habe ja von einigen zu hören bekommen, dass ich viel zu selten geschrieben habe in der letzten Zeit...

Montag, 15. Februar 2010

Fettisdagen

Während in Karnevals-Deutschland wohl gerade der Bär los ist, ist in Schweden nicht eine Spur von Fasching zu finden. Aber so etwas Ähnliches gibt es doch, wenn auch nicht im Sinne von Verkleiden. Morgen ist nämlich "fettisdag" (Zusammensetzung aus "fet"=Fett und "tisdag"= Dienstag). Und während der Faschingsdienstag in den Karnevalshochburgen der Höhepunkt der Feierei und vor allem der Trinkerei ist, steht hier die Fresserei ganz oben auf der Tagesordnung. Denn am letzten Tag vor der christlichen Fastenzeit sollte der Schwede nochmal ordentlich zuschlagen - gute Idee, wie ich finde. Auch wenn ich eher nicht so der Faster bin, was ja nicht heißt, dass man den "fettisdag" nicht mitmachen kann. :-)

Wie so oft haben die Schweden auch für diesen Tag ein spezielles Backwerk, nämlich "semlor" (Singular: en semla). Dabei handelt es sich um einen Hefeteigballen, der nach dem Backen aufgeschnitten, etwas ausgehöhlt und mit einer Vanillesahne-Marzipan-Creme gefüllt wird. Oben drüber den Puderzucker ("florsocker") nicht vergessen! Ursprünglich wurde dieses Gebäck nur am fettisdag als Nachspeise gegessen, heutzutage auch schon einige Wochen zuvor. Ich durfte z.B. letzte Woche Freitag schon mal einen semla kosten, denn das war der fredagskaka in der Schule! Hmm...

Freitag, 12. Februar 2010

"Risk för snöras, istappar" - man lebt gefährlich!

Letzte Woche wurde in Stockholm eine Frau auf der Strasse bewusstlos geschlagen. Aber nicht etwa von einem gewalttätigen Gangster, sondern vom bösen Schnee. Auch in Halmstad liegt ca. 40cm Schnee und aufgrund permanenter Minusgrade ist von Schmilzen keine Spur. Heute wird das Schuldach mit einer Maschine, die einer überdimensionalen Spülbürste gleicht, vom Schnee befreit.
Viele Gehwege in der Stadt sind mit diesen Schildern abgesperrt, da das Risiko, von einem Riesen-Eiszapfen oder herabstürzenden Schneemassen verletzt zu werden, zu gross ist. Die Kommune hat sogar Personen angestellt, die mit Hebebühnen unterwegs sind und Eiszapfen von den Häusern schlagen. Ein krasser Winter, den Halmstad seit 1987 nicht erlebt hat. Eigentlich mag ich den Winter und ich freu mich über frischen Schnee, der so schön knirscht beim Betreten. Aber irgendwann reicht es einfach. Die Riesenschneeberge an den Strassenrändern nerven langsam, denn man muss sich früh überlegen, wenn man die Strassenseite wechseln will. Die vereisten Wege nerven auch langsam. Ich kann nicht ordentlich joggen. Ich will jetzt Frühling! Aber in Deutschland geht's euch ja nicht anders...

Seit dem letzten Eintrag sind einige Wochen vergangen, in denen ich viel erlebt habe. Deshalb kommt es mir auch so unglaublich vor, dass ich mittlerweile schon 5 Wochen wieder hier bin und in einer Woche bereits wieder nach Deutschland fahre. Hier gibt es in der letzten Februarwoche nämlich eine Woche "Sportferien".

Highlights der letzten Wochen waren zum einen der "friluftsdag", den die Schule anlässlich des vielen Schnees organisiert hat. Wir fuhren nach Oskarström, wo es einen Skihügel und einen als Eisbahn gefluteten Sportplatz gibt und die Schüler sich austoben konnten. Die meisten fuhren Schlitten ("pulka"), während wir Lehrer offiziell die Aufsicht über alles hatten, dieser Aufsichtspflicht aber mal wieder nur sehr schwedisch wenige nachkamen.

Am letzten Wochenende besuchte ich Anne, die als Comenius-Assistentin in Jönköping arbeitet. Dorthin gibt es von Halmstad eine gute und günstige Busverbindung, sodass sich ein Wochenendtrip anbot. Jönköping ist mit 120.000 Einwohnern eine für schwedische Verhältnisse recht grosse Stadt, die an einem der grossen Seen, dem Vättern, liegt. Leider zeigte sich das Wetter nicht von seiner besten Seite, aber ein Spaziergang an der Seepromenade war trotzdem nett.
Neben etwas Sightseeing, z.B. dem Besuch im Streichholzmuseum (sie stammen dorther!), haben wir viel gefeiert, denn Anne wohnt in einem Wohnheim für internationale Studenten und da ist das ja vorprogrammiert. Es war herrlich, mit so vielen verschiedenen Nationalitäten und dadurch viel Englisch, aber manchmal auch Schwedisch und sogar Deutsch. Denn ich habe doch tatsächlich jemanden aus Buxtehude getroffen! Die Welt ist ein Dorf.

Soweit erstmal zu einigen Aktivitäten der letzten Wochen, mehr folgt später, denn jetzt muss ich meinen Bus nach Halmstad kriegen!

Montag, 11. Januar 2010

"God fortsättning!"

... das wünscht man sich in Schweden, wenn man sich zum ersten Mal im neuen Jahr begegnet. Und das wünsche auch ich meinen lieben Lesern auf diesem Wege! Auf ein spannendes 2010!
Für mich bedeutet das erstmal: Mit Schwung in das Abenteuer "Arbeiten&Leben in Schweden - Teil 2". Seit Samstagabend bin ich wieder in Halmstad und wurde hier von Schneemassen und kühlen Temperaturen empfangen, obwohl mir im Dezember noch alle sagten, dass es hier "nie" schneie und immer total warm sei. Pustekuchen!
Aber schön ist's und gewappnet mit langen Unterhosen, Wollsocken und rutschfesten Schuhen ist ein Schneespaziergang am Wasser echt ein Traum. Wenn dazu noch so schön die Sonne scheint, wie sie es in den letzten Tagen tat.

Heute ging die Schule wieder los. "Vårtermin 2010" ist angesagt, "Frühjahrssemester", denn in Schweden erstreckt sich das 1.Halbjahr von August bis Weihnachten, das 2. von Januar bis Juni. Komischerweise bekommen die Schüler ihre Zeugnisse nicht vor den Ferien, sondern erst übernächste Woche. Zuvor müssen sie sich schriftlich selbst einschätzen. An sich ja eine gute Sache, nur denke ich, dass das mal wieder so läuft wie bei allen Gelegenheiten zur Selbsteinschätzung, die ich im Deutschunterricht bisher durchgeführt habe (in Form eines Log-Buches zum Sprachfortschritt): "Ich bin super und muss eigentlich gar nicht mehr in die Schule. Läuft alles top." Das schreiben genau die Schüler, die leider fast nix können... aber ich will das jetzt nicht weiter ausführen.
Ich freue mich aber auf alles, was vor mir liegt und habe einen Sack voller Ideen im Gepäck, von denen hoffentlich viele umgesetzt werden können. Sam, der Deutschlehrer und mein Mentor, sagte mir heute, dass er Angst vor dem nächsten Schuljahr habe, weil die Schüler dann bestimmt alle den Unterricht total langweilig finden werden, weil er einfach nicht so viel Zeit zur Vorbereitung ausgefallenerer Sachen habe. Ich hab ihm versprochen, möglichst oft mal vorbeizuschauen und Material aus Deutschland rüberzumailen. :-)
Höchst erfreut haben mich heute mal wieder meine kleinen Sechstklässler, die offenbar nix vergessen haben und gleich wieder so munter auf Deutsch losgeplappert und neuen Input quasi aufgesogen haben, wie sie es auch vor den Ferien taten. Eine Stunde diese Klasse unterrichten entspricht ungefähr dem Glückshormonschwall einer Tafel Ritter Sport.
Nach drei Wochen fast nur Deutsch sprechen hatte ich etwas Sorge, dass mein Schwedisch gelitten hätte, aber das klappte gleich super und nach einem Sonntagabend bei meiner schwedischen Familie und einem Schultag voller Planung auf Schwedisch würde ich behaupten, dass ich wieder voll eingetaucht bin.

Für alle, die sich fragen, was Karsten jetzt eigentlich macht: Er hat ab 01.02. eine unbefristete Stelle an einem Gymnasium in Flensburg angenommen!

Wir haben in den Feriem fleißig Wohnungen angeschaut und auch eine zwar recht teure, aber große und schöne gefunden, in der problemlos auch ich Platz finde. Leider kann ich beim Umzug nicht dabei sein, aber bin sehr gespannt, wie's im Februar, wenn ich für eine Woche in Deutschland sein werde, dort ausschaut. Einen Raum hab ich mir zum Streichen reserviert, ich hoffe, dass Karsten dran denkt...

Das soll nun erstmal an Updates reichen. Der nächste Eintrag wird bald folgen, dann werde ich Euch mal wieder ein paar meiner beobachteten Sprachwitzigkeiten servieren und mal von meiner Volleyballmannschaft erzählen!