Sonntag, 25. April 2010

Besuch bei den Kollegen Vänern&Vättern

Ich weiß, ich weiß... viel zu lang liegt der letzte Eintrag zurück und es gibt so viel zu erzählen, aber ich hatte einfach echt so viel um die Ohren, dass ich nicht zum Blog schreiben gekommen bin. Das braucht ja auch seine Zeit. Aber nun endlich nehme ich sie mir, um euch zunächst einmal über die Reise in den Osterferien zu informieren. Karsten und ich hatten in Halmstad einen kleinen Toyota Aygo gemietet, mit dem wir 5 Tage lang die Region um die beiden größten Seen Schwedens, Vänern und Vättern, erkundet haben.
Gestartet sind wir zunächst entlang der Westküste bis hinauf nach Göteborg auf Landstraßen meist direkt am Meer entlang (und nicht auf der E6). Auf der Route konnte man sich gar nicht satt sehen an traumhaften Meereskulissen, wie z.B. hier in Steninge:
Ein schönes Stück Erde. Oft haben wir gedacht, wie herrlich es sein muss, ein Grundstück mit diesem Blick zu haben und im Sommer jeden Tag vor dem Frühstück ins Meer springen zu können oder im Winter die Eisschollen knacken zu hören. Um uns das leisten zu können benötigen wir allerdings noch die nötige Liquidität. Spenden nehmen wir aber jederzeit gern entgegen. :-)

Den ersten Übernachtungszwischenstopp bildete Trollhättan, eine 50.000-Einwohner-Stadt südlich des Vänern-Sess, die aufgrund eines großen Filmproduktionsstudios auch gern Trollywood genannt wird. Außerdem ist Trollhättan für seine gigantischen Schleusenanlagen bekannt, durch die der Göta Älv - Schwedens wassereichster Fluss - schiffbar gemacht wird.
Ein großer Teil des ursprünglichen Flussbettes liegt trocken, wird aber einmal im Jahr geflutet. Lustige Schilder weisen auf die Gefährdung durch anbrausende Wellen hin, wir hatten aber Glück, denn "Tag des Wasserfalles" ist erst im Juni.
Etwas südlich der Stadt gelangten wir nach einer kleinen Wanderung zu einem gigantischen Wasserkraftwerk, das u.a. SAAB mit Strom versorgt. Weiter ging's Richtung Nordosten auf die Halbinsel Kallandsö. Hübsch anzuschauen war hier das Schlösschen Läckö.
Dort war dann eigentlich noch der Besuch einer in Reiseführern angepriesenen Fischräucherei geplant, der jedoch aufgrund eines noch zugefrorenen Vänern und geschlossener Lokale leider ausfallen musste. Das war oft der Fall, denn die Saison startet eigentlich erst im Juni und zuvor steht man meist vor verschlossenen Türen. Leider war das Wetter auch wirklich Nebensaison: Kalt und ungemütlich. Aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen.

Nächste Station: Der Hornborga-See östlich vom Vänern. Warum noch ein See? Na weil das Schwedens Kranich-Landeplatz Nummer 1 während deren Rückreise aus dem spanischen Winterquartier ist!

Mein Biologie lehrernder Reisebegleiter hatte sehr hartnäckig auf den Abstecher dahin bestanden und ich bin ihm sehr dankbar dafür, denn wer kann schon behaupten, mal 12700 Kraniche auf einmal gesehen zu haben?

War wirklich beeindruckend, v.a. die Geräuschkulisse. Dann führte uns der Weg durch das Naturreservat Kinnekulle in das süße Städtchen Mariestad an der Ostküste des Vänern, wo wir in einem irre gemütlichen Vandrarhem (schwedisch für "Jugendherberge") übernachtet haben. Das Haus wurde im 15. Jahrhundert erbaut und hatte innen tolle Holzfußböden und so eine richtig nostalgische Küche. Nun rief der Vättern, der "kleine Bruder" des Vänern-Sees. Nachdem aus dem von meinen Kollegen empfohlene Fischbrötchen mit frischem Fang aus dem See im kleinen Seedorf mit dem lustigen Namen Hjo (sprich: Ju) leider auch nichts wurde, fuhren wir weiter die Westküste des Sees Richtung Nordufer. In Karlsborg erkundeten wir die Anlage des Armee-Stützpunktes, u.a. für Fallschrimjäger. Ich hab mich mal etwas geübt, aber das hat noch nicht den richtigen Kick gegeben. :-)Und dann gab's mal wieder eine Schleusentreppe zu bestaunen, dieses Mal in der Nähe von Motala. Die Schleuse verbindet den Göta-Kanal mit dem Vättern. Die nächste Schlafpause fand in Vadstena statt, die Stadt der Heiligen Birgitta, die in ihrem Leben unglaublich viele gute Taten vollbracht und dort einen Klosterorden gegründet hat. Die Stadt ist klein, aber gemütlich mit vielen bunten Holzhäusern und Kopfsteinpflaster - Vadstena hat Charme, ohne Frage. Leider waren wir nur die gefühlt einzigen Besucher. Alles leergefegt nach 18 Uhr und kaum ein Restaurant zu finden. Da machte sich wieder die Nebensaison bemerkbar. Die Highlights des nächsten Tages:
Der Runenstein von Rök - historisch unglaublich bedeutend und für Archäologen sicherlich irre spannend, aber uns riss der nicht so vom Hocker. Naja, wir sind wenigstens da gewesen. Kommt in die Kulturgeschichte-Schublade!

Gränna, die Heimat der Polkagrisar. Für alle, die keinen blassen Schimmer haben, was Polkagrisar sind: Weiß-rote Pfefferminzbonbons in Kissenform. In Gränna kann man in einer Vielzahl Gechäften bei der Produktion zuschauen und kosten. Hmm!
Nach der letzten Übernachtung in Jönköping statten wir am letzten Tag unserer Schweden-Tour noch dem schwedischen Kultgeschäft Gekås in Ullared einen Besuch ab.
Klickt euch mal durch die Homepage www.gekas.se oder schaut bei Wikipedia nach, dann bekommt ihr einen besseren Eindruck dieses Geschäftes. Es handelt sich um ein riesiges Warenhaus, das man vom Sortiment her ungefähr mit Handelshof in Deutschland vergleichen kann, allerdings eher Einzelhandel. Man bekommt dort alles, was das Herz begehrt, zu für Schweden unschlagbar günstigen Preisen. Dorthin gibt es Bustouren aus ganz Skandinavien und laut Berichten meiner v.a. weiblichen Kollegen oft Schlangen an den Einkaufswagen. Hier sieht man, wie mit einem Schaufelbagger neue Wagen bereitgestellt werden. Total crazy alles, aber irgendwie auch witzig und absolut sehens-/erlebenswert. Was den Wahnsinn noch weiter untermauert: Ein Campingplatz und ein kleines Hüttendorf gehören auch zum Shoppingkomplex. Und man muss weit im Voraus buchen, denn die Plätze da sind begehrt. Ulrika, meine Mentorin, mietet einmal im Jahr mit ihren Freundinnen eine stuga (Hütte) mit Sauna&Whirlpool, um dort erst einen netten Abend zu haben und am nächsten Tag früh in das Warenhaus zu stürzen.
Auch wir haben uns also in den Ullared-Shoppingswahnsinn gestürzt zwar nicht so viele Tüten wie die meisten anderen rausgeschleppt, aber doch zwei. Und was ein Quatsch, dass Männer nicht gern shoppen, ich hab den Beweis erlebt: Karsten hatte viel mehr als ich! :-)

Donnerstag, 1. April 2010

Frohe Ostern - Glad Påsk!

...das wünsche ich euch allen! Hoffentlich meint es der Osterhase gut mit euch und kippt seinen randvoll gefüllten Korb großzügig über euren Gärten oder - wohl je nach Wetter - in Küche, Wohnzimmer und im Schuhschrank aus.
Den Osterhasen (påskhare) kennen die Schweden zwar auch, allerdings ist er nicht so populär wie in Deutschland. Eiersuchen finden teilweise statt, meist aber als "äggjakt" betitelt und schnitzeljagdmäßig aufgezogen, d.h. mit kleinen Hinweiszetteln, die dann zu einem großen Osternest gefüllt mit Süßigkeiten führen. So richtig tolle Schokoladeneier in großer Auswahl gibt es hier nicht (bis auf die Lindt-Sachen, die es in den Supermärkten gibt), denn Ostersüßigkeiten sind hier vor allem so knallbunte Gelee-Eier, von denen man Zahnschmerzen kriegt. :-) Mich Schokomäulchen lassen die Dinger ziemlich kalt.
Toll ist hingegen die schwedische Osterküche, die hier an der Westküste stark von Lax und Sill dominiert wird. Habe mir unserer Hauswirtschaftslehrerin an der Schule viele Rezepte kopiert, von denen ich hoffentlich viele auszuprobieren schaffe.
Die Osterfeiertage heißen hier skärtorsdag (Gründonnerstag), långfredag (Karfreitag), påskafton (Ostersamstag), påskdag (Ostersonntag) sowie annandag påsk (Ostermontag). Eine schöne Tradition zu Ostern ist, dass die Kinder sich als "påskkäringar"verkleiden und von Haus ziehen, um Süßigkeiten einzusammeln. Selma und Tilda waren gerade bei mir und haben mir noch ein paar Osterzeichnungen geschenkt.

Selbst werde ich Ostern zusammen mit Karsten hier in Halmstad verbringen. Nächste Woche fahren wir dann für 5 Tage an die großen Seen Vänern und Vättern, es wird eine Rundtour mit viel Natur, kleinen und größeren Städten, Inseln, historischen Stätten und einer Bonbonfabrik (polkagrisar) in Gränna.

Ha en trevlig påsk!

Freitag, 19. März 2010

Freitagsfreude

Von unserer "fredagskaka"-Tradition hatte ich euch ja schon mal erzählt. Da gibt's immer feine Leckereien zum Einstieg in das Wochenende. Aber heute wurde alles bisherige meilenweit getoppt und ich musste mich erstmal kneifen, als ich die Pracht im Lehrerzimmer heute Morgen erblickte...

Heute hat Richard, ein jetzt fertiger Referendar, seinen letzten Tag an der Trönningeskolan. Anlässlich dessen hatte er diese unglaublichen Torten als Dankeschön für die Zeit gebacken. Sowas habe ich bisher nur in ganz teuren Cafés im Schaufenster oder im Fernsehen bei königlichen Festlichkeiten gesehen.
Es war irre witzig, wie alle um die Torten herum schlawenzelten und niemand sich traute, die anzuschneiden. Als ich Richard meinen Respekt und Bewunderung f¨r sein Werk aussprach, stellte sich heraus, dass er ausgebildeter Konditor ist!
Mein Fazit aus diesem Freitag: Ich liebe ausgebildete Konditoren als Kollegen. Davon sollte man immer einen haben. Mindestens.

Samstag, 6. März 2010

Von "backspike", "hoppserve" und blau-gelben Mikasa-Geschossen

Meine allerliebsten Leser, wie schon vor einigen Wochen mal angekündigt komme ich nun endlich mal dazu, wirklich was über meine Volleyball-Mannschaft hier in Halmstad zu schreiben.
Das sind wir, die 2. Damen des IF Halmstad Volley:
Dieses Foto entstand vor ein paar Monaten nach einem Heimspiel, als ich Altländer Apfelkuchen gebacken hatte, den wir nach dem Spiel verzehrt haben und alle total wild auf diesen Kuchen waren. Ist hier nicht so verbreitet, wie ich es aus meinen Mannschaften in Deutschland kenne, das gemeinsame Kuchenessen bei Heimspielen. Aber ich hab's ihnen jetzt beigebracht! :-)

Aber nun mal von Anfang an. Wie bin ich zu dieser Mannschaft gekommen? Nach einigen Wochen in Halmstad habe ich mal in den Sportergebnissen der Zeitung geschaut und gesehen, dass Halmstad Volleyballmannschaften hat. Habe dann im Internet einen Ansprechpartner gefunden und ihn per Mail gefragt, ob ich mal zum Probetraining kommen könnte. Zur gleichen Zeit kam ich beim Mittagessen in der Schule mit einem Kollegen ins Gespräch über meine Hobbies. Als ich Volleyball nannte erzählte er, dass seine Tochter in Halmstad spiele und ob er sie mal fragen soll, ob ich da mittrainieren könnte. Klar doch! Das hab ich dann auch gemacht und war erst etwas zweifelnd, ob ich nicht viel zu schlecht für die Mädels sei, nachdem er mir erzählt hat, an was für krassen Turnieren die schon teilgenommen haben. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Claes, der Trainer, war heilfroh, als er hörte, dass ich Schwedisch kann, denn er hatte große Angst davor gehabt, das Training fortan auf Englisch halten zu müssen.
Ich wurde sehr nett aufgenommen und gleich engagiert. Die Mädels sind fast alle jünger als ich (16-19 sind die meisten), sodass ich mich wirklich wie die Mannschaftsoma fühle - mit 22. Bisher war das in meinen Mannschaften immer umgekehrt, ich war das Küken, deshalb finde ich den Zustand immer noch ungewohnt. Und da sie alle noch zur Schule gehen liegen auch irgendwie Welten zwischen uns, auch wenn der Altersunterschied mit im Schnitt 4 Jahren ja gar nicht so riesig ist. Sie finden's aber alle total spannend mit einer Deutschen im Team und alle versuchen sich beim Training fleißig an deutschen Ausrufen, wobei meist zumindest für mich sehr lustige Dinge zustande kommen. Sie beherrschen jetzt Redewendungen wie "Morgenstund hat Gold im Mund" oder "Der frühe Vogel fängt den Wurm" und wenn wir nach einem Ball zusammengehen, dann wird "Reiswaffel" gerufen. Warum eigentlich gerade "Reiswaffel" und nicht "Weißwurst" oder sowas ist unklar... Beim letzten Spiel hörte ich auf jeden Fall von der Bank einen "Reiswaffel"-Chor, als ich Aufschlag hatte.
Eigentlich hatte ich nicht geplant, auch an den Spielen teilzunehmen, aber als dann klar war, dass ich ein ganzes Jahr bleibe und mich alle ständig fragten, ob ich nicht doch will, hab ich irgendwann ja gesagt und meine schwedische Spiellizenz bekommen. Von dem Zeitpunkt habe ich viele Wochenendtage in Sporthallen verbracht und auf diese Weise Schweden nochmal von der sportkulturellen Seite her besser kennengelernt. Insgesamt bereue ich die Entscheidung keinesfalls, denn wir hatten tolle Spiele, lustige Fahrten, interessante Schiedsrichter und ich habe viel dazugelernt. Wir spielen in der "division 2", das ist quasi die 3. Liga Schwedens. Darüber kommt noch die "diversion 1" und die "elitserie" (entspricht der 1. Bundedliga in D). Das Niveau entspricht aber ungefähr Niedersachsens Bezirks- bis Landesliga, ist aber sehr gemischt. Die Mannschaften im Tabellenkeller können nicht viel, die an der Spitze sind supergut und schlagen fast Löcher in den Hallenboden. Wir haben die Saison jetzt auf dem 3. Tabellenplatz abgeschlossen, was super ist!
Etwas ungewohnt für mich war, dass man hier nie ein Spiel selbst pfeifen muss, sondern dass immer zwei Schiedsrichter angefahren kommen, die dann in ihren modisch fragwürdigen, aber hochoffiziellen Schiedsrichterklamotten das Spiel pfeifen. Nach dem Spiel schüttelt jede Spielerin beiden Schiedsrichtern die Hand und man bedankt sich und sie gratulieren einem oder sagen zumindest "bra spelat" (gut gespielt). Hui, da kommt man sich schon ein bisschen vor wie im Fernsehen!
Ihr fragt euch vielleicht, wie ich denn sprachlich so klargekommen bin. Volleyball-Schwedisch ist ja gewissenermaßen eine Fachsprache, aber ich habe schnell einen Durchblick bekommen und verstehe mittlerweile auch sämtliche Anweisungen, selbst wenn ich nebenbei mit der vollen Dröhnung Roxette beim Aufwärmen beschallt werde und dazu noch "Slang" verwendet wird. Für mich ist es nur generell oft schwierig, diese Umgangssprache von der "Hochsprache" zu unterscheiden, sodass ich mit neuen Wörtern immer erstmal vorsichtig sein muss, wenn der Verwendungsrahmen noch nicht ganz klar für mich ist. :-)
Einige von euch amüsieren sich ja gern über die schwedische Sprache, deshalb gibt's hier mal eine kleine Zusammenstellung wichtiger Volleyball-Vokabeln:

bolla - einspielen (mit dem Ball)
fingerslag - pritschen

baggerslag - baggern

anfalla/smasha - angreifen

backspike - Rückraumangriff

serve - Aufschlag

floatis - Flatteraufschlag

hoppserve - Sprungaufschlag

blocka (oder: blockera) - blocken

mottagning - Annahme

försvar - Abwehr

domare - Schiedsrichter

match - Spiel

Vor ein paar Wochen hatten wir "lagfest" (lag = Mannschaft). Ich hatte die schlimmsten Erwartungen, da ich damit gerechnet hatte, dass das in dem Alter vor allem sinnloses Betrinken bedeuten würde. Aber: Wir haben ganz gemütlich bei Katha zu Hause Pizza gegessen, gequatscht und sowas wie "Tabu" auf Schwedisch gespielt. Das war natürlich eine sprachliche Herausforderung für mich, aber es klappte ganz gut.
Jetzt ist die Saison vorüber, aber für die ganzen jungen Hüpfer stehen noch zahlreiche Jugendauswahlturniere auf dem Programm. Wir trainieren also noch bis Mai zwei Mal wöchentlich weiter in der Halle (die übrigens praktischerweise ungefär 2 Gehminuten von meiner Haustür entfernt liegt) und dann gibt's hoffentlich viel Beachvolleyball. Ich spekuliere ja auf Tylösand, aber da ist's bestimmt gnadenlos überlaufen ab Mai/Juni. Hier in der Stadt gibt's aber auch ein paar Felder.

So viel zum Thema "Merles Internationalisierung in puncto Volleyball". Ich hoffe, dass euch mein kleiner Einblick Spaß gemacht hat!

Sonntag, 28. Februar 2010

Sportferien vorbei - auf zu neuen Taten!

Soeben bin ich per Zug wieder in Halmstad eingefahren, nachdem ich die vergangene "Sportferien"-Woche in Deutschland, zum Teil in Flensburg, zum Teil im Alten Land verbracht habe. Durch viele technische Probleme war die Fahrt heute etwas anstrengend, da alles in die Länge gezogen wurde. Insgesamt war ich von Haustür zu Haustür fast 12 Stunden unterwegs - man kann das aber auch in weniger schaffen. Aber schön ist immer zwischendurch der Fahrtabschnitt auf der Fähre Puttgarden-Rodby, auf die der Zug mit den Autos zusammen drauf fährt, dann alle Passagiere aussteigen müssen, der Zug abgeschlossen wird und man sich an Deck vergnügen kann. Dänen und Schweden stürmen den Duty Free-Shop, den ich immer noch für ziemlich teuer halte, in den Restaurants bilden sich Schlangen, Bierdosen zischen... heute habe ich mich mal 10 Minuten auf's Deck gewagt, da die Temperaturen das ja endlich wieder zulassen und den Rest der Zeit drinnen verbracht, was im Gegensatz zur Hinfahrt am letzten Wochenende total ruhig war. Da platzte nämlich die Fähre fast vor Schweden, die offenbar in den Skiurlaub nach Deutschland unterwegs waren und sich einige Gläschen an Bord gönnten.

In Halmstad liegt lange nicht mehr so viel Schnee wie vor einer Woche. Zur Erinnerung: Da sah es so aus:
Aber im Gegensatz zu Norddeutschland liegt hier noch viel. Allerdings sind die Wege relativ frei und es schmilzt auch hier ordentlich. Die Matsche ist zwar unschön, aber ich find's gut, dass die weiße Pracht sich nun mal verzieht und dem Frühling Platz macht.

Auf der Zugfahrt habe ich mich übrigens wie eine richtige Lehrerin gefühlt, als ich einen Satz Deutsch-Arbeiten meiner 6er korrigiert habe. :-) Da ich die Arbeit auch ganz allein entworfen habe, wollte ich mir die Korrektur nicht nehmen lassen, obwohl Sam eigentlich nicht wollte, dass ich Arbeit mit in die Ferien nehme. Aber man sollte sich ja lieber nicht an völlig arbeitsfreie Ferien gewöhnen. Und außerdem wollte ich ja auch sehen, was sie so gezeigt haben. Ganz Schweden-like habe ich auch den Rotstift in der Tasche gelassen und stattdessen die blaue Tinte gewählt sowie mich bei den Kommentaren ganz doll angestrengt, immer erst was Positives zu schreiben und die Kritik etwas weicher zu verpacken.
Noten gibt's übrigens in der Klassenstufe noch nicht, sondern erst ab Klasse 8. Und dann gibt es keine Ziffern oder Punkte, sondern die Stufen "G"="Godkänd" (ausreichend/befriedigend), "VG"= "Väl Godkänd" (gut) und "MVG"="Mycket Väl Godkänd".
Auch zu dieser Tatsache kann man wieder geteilter Meinung sein. Ich finde, dass Noten in der 8.Klasse zu spät sind und die Schüler eher damit konfrontiert werden sollten. Aber andererseits sind Noten hier selten ein Druckmittel und die Schüler sollen lernen, dass sie nicht für Noten lernen, sondern für sich selbst. Hier würde ich wieder ein bisschen Deutschland und ein bisschen Schweden vermischen wollen - aber das würde wohl kaum funktionieren, da in Deutschland Schulnoten eben einen so hohen Stellenwert haben und die Kinder darauf schon früh gemünzt werden.

Meine Zeit in Deutschland habe ich genossen. Am letzten Samstag bin ich mit Eltern&Schwester nach Flensburg gefahren, wo wir Karstens Wohnung angeschaut haben und anschließend noch die schöne Stadt. Karsten hatte zuvor ein süßes Café entdeckt, das voller verschiedener Porzellan-Kaffeekannen hängt und eine große Auswahl selbstgebackener Torten anbietet. Mit dem Kaffeetrinken dort hat er meiner Mama eine große Freude bereitet! :-)
In den folgenden Tagen haben wir zum einen fleißig die Wohnung hübscher und fertiger gemacht (Möbel, Lampen, Regale etc. kaufen und anbauen), zum anderen versucht, daneben noch ein bisschen Zeit zu finden, in der wir nicht mit Bohrmaschine, Staubsauger und Schutzbrillen ausgestattet waren. Das war schwer, aber ein paar Stunden sind's doch geworden. Zum Beispiel ein Spaziergang zu einem Fischrestaurant im Hafen, wo wir dann leckeren Fisch verspeisten und ich zum Küstennebel-Fan wurde, ein Tag in Kiel (Uni&Ikea) und ein Fußballabend in einer Sportsbar - ich als eine von drei anwesenden Frauen.
Dieses Wochenende war ich dann wieder im Alten Land, um mich noch mit so wundervollen Dingen wie Steuererklärung, Bank- und Versicherungsschriftverkehr zu beschäftigen, aber vor allem um den Geburtstag meines Papas mitzufeiern.

Noch bin ich gedanklich viel zu sehr in Deutschland, aber das wird sich morgen wohl schlagartig ändern, wenn ich in den schwedischen Alltag zurückkehre und vor allem ganz viel Schwedisch spreche. Übrigens habe ich ja vor einigen Wochen etwas Käpt'n Blaubär-mäßig endlich eine Personennummer bekommen und bin jetzt fast eine richtige Schwedin. Denn hat man diese vier letzten Ziffern (eine Personennummer ist aufgebaut aus Geburtsjahr, -monat, -tag plus 4 Ziffern), dann kann man hier alles machen und bekommen. Etwas verspätet bin ich dann in einen Schwedisch-Kurs bei der Erwachsenenbildung in Halmstad eingesteigen, nachdem die sich ja trotz erfolgreichen Einstufungstests seit Herbst weigerten, mich ohne die Nummer in einen Kurs aufzunehmen. Leider sind die 2x2 Unterrichtsstunden pro Woche so dämlich gelegt (vormittags und nachmittags), dass ich einige Klassen ganz aufgeben müsste. Da ich das nicht will, habe ich mich mit dem Lehrer darauf geeinigt, dass ich einmal pro Woche komme und viel zu Hause arbeite und ihm Texte zumaile. Auch wenn der Lehrer ein ganz komischer Kauz ist (Philosoph und Lebenskünstler, der sich gern selbst reden hört und die Zerstreuung in Person darstellt), so genieße ich es, mal wieder selbst Unterricht zu haben und mich zu Hause hinsetzen zu müssen, um Text durchzuarbeiten und Aufgaben zu erledigen. Für mein Schriftschwedisch bringt das auf jeden Fall viel. Bin aber auch noch nicht lang dabei, von daher kann ich noch nicht allzu viel sagen.

Macht's gut, liebe Leser! Ich verspreche, bald wieder neuen Lesestoff zu produzieren - habe ja von einigen zu hören bekommen, dass ich viel zu selten geschrieben habe in der letzten Zeit...

Montag, 15. Februar 2010

Fettisdagen

Während in Karnevals-Deutschland wohl gerade der Bär los ist, ist in Schweden nicht eine Spur von Fasching zu finden. Aber so etwas Ähnliches gibt es doch, wenn auch nicht im Sinne von Verkleiden. Morgen ist nämlich "fettisdag" (Zusammensetzung aus "fet"=Fett und "tisdag"= Dienstag). Und während der Faschingsdienstag in den Karnevalshochburgen der Höhepunkt der Feierei und vor allem der Trinkerei ist, steht hier die Fresserei ganz oben auf der Tagesordnung. Denn am letzten Tag vor der christlichen Fastenzeit sollte der Schwede nochmal ordentlich zuschlagen - gute Idee, wie ich finde. Auch wenn ich eher nicht so der Faster bin, was ja nicht heißt, dass man den "fettisdag" nicht mitmachen kann. :-)

Wie so oft haben die Schweden auch für diesen Tag ein spezielles Backwerk, nämlich "semlor" (Singular: en semla). Dabei handelt es sich um einen Hefeteigballen, der nach dem Backen aufgeschnitten, etwas ausgehöhlt und mit einer Vanillesahne-Marzipan-Creme gefüllt wird. Oben drüber den Puderzucker ("florsocker") nicht vergessen! Ursprünglich wurde dieses Gebäck nur am fettisdag als Nachspeise gegessen, heutzutage auch schon einige Wochen zuvor. Ich durfte z.B. letzte Woche Freitag schon mal einen semla kosten, denn das war der fredagskaka in der Schule! Hmm...

Freitag, 12. Februar 2010

"Risk för snöras, istappar" - man lebt gefährlich!

Letzte Woche wurde in Stockholm eine Frau auf der Strasse bewusstlos geschlagen. Aber nicht etwa von einem gewalttätigen Gangster, sondern vom bösen Schnee. Auch in Halmstad liegt ca. 40cm Schnee und aufgrund permanenter Minusgrade ist von Schmilzen keine Spur. Heute wird das Schuldach mit einer Maschine, die einer überdimensionalen Spülbürste gleicht, vom Schnee befreit.
Viele Gehwege in der Stadt sind mit diesen Schildern abgesperrt, da das Risiko, von einem Riesen-Eiszapfen oder herabstürzenden Schneemassen verletzt zu werden, zu gross ist. Die Kommune hat sogar Personen angestellt, die mit Hebebühnen unterwegs sind und Eiszapfen von den Häusern schlagen. Ein krasser Winter, den Halmstad seit 1987 nicht erlebt hat. Eigentlich mag ich den Winter und ich freu mich über frischen Schnee, der so schön knirscht beim Betreten. Aber irgendwann reicht es einfach. Die Riesenschneeberge an den Strassenrändern nerven langsam, denn man muss sich früh überlegen, wenn man die Strassenseite wechseln will. Die vereisten Wege nerven auch langsam. Ich kann nicht ordentlich joggen. Ich will jetzt Frühling! Aber in Deutschland geht's euch ja nicht anders...

Seit dem letzten Eintrag sind einige Wochen vergangen, in denen ich viel erlebt habe. Deshalb kommt es mir auch so unglaublich vor, dass ich mittlerweile schon 5 Wochen wieder hier bin und in einer Woche bereits wieder nach Deutschland fahre. Hier gibt es in der letzten Februarwoche nämlich eine Woche "Sportferien".

Highlights der letzten Wochen waren zum einen der "friluftsdag", den die Schule anlässlich des vielen Schnees organisiert hat. Wir fuhren nach Oskarström, wo es einen Skihügel und einen als Eisbahn gefluteten Sportplatz gibt und die Schüler sich austoben konnten. Die meisten fuhren Schlitten ("pulka"), während wir Lehrer offiziell die Aufsicht über alles hatten, dieser Aufsichtspflicht aber mal wieder nur sehr schwedisch wenige nachkamen.

Am letzten Wochenende besuchte ich Anne, die als Comenius-Assistentin in Jönköping arbeitet. Dorthin gibt es von Halmstad eine gute und günstige Busverbindung, sodass sich ein Wochenendtrip anbot. Jönköping ist mit 120.000 Einwohnern eine für schwedische Verhältnisse recht grosse Stadt, die an einem der grossen Seen, dem Vättern, liegt. Leider zeigte sich das Wetter nicht von seiner besten Seite, aber ein Spaziergang an der Seepromenade war trotzdem nett.
Neben etwas Sightseeing, z.B. dem Besuch im Streichholzmuseum (sie stammen dorther!), haben wir viel gefeiert, denn Anne wohnt in einem Wohnheim für internationale Studenten und da ist das ja vorprogrammiert. Es war herrlich, mit so vielen verschiedenen Nationalitäten und dadurch viel Englisch, aber manchmal auch Schwedisch und sogar Deutsch. Denn ich habe doch tatsächlich jemanden aus Buxtehude getroffen! Die Welt ist ein Dorf.

Soweit erstmal zu einigen Aktivitäten der letzten Wochen, mehr folgt später, denn jetzt muss ich meinen Bus nach Halmstad kriegen!